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🌿:Cannabis in der Psychiatrie (Schwerpunkt: ADHS) - Dr. med. Eva Milz | ACM



0:05 – Ansprache (Prof. Dr. Kirsten R. Müller-Vahl):

Ich freue mich, jetzt meine Kollegin Frau Dr. Eva Milz ankündigen zu dürfen, die Psychiaterin in Berlin ist und dort eine Praxis hat, wo sie primär Menschen mit psychiatrischen Erkrankungen und insbesondere ADHS seit vielen Jahren mit unterschiedlichen Formen der Cannabis-Basierten Medikamente behandelt. Deswegen freuen wir uns, dass du hier bist, Eva.
   
0:32 – Rede (Eva Maria Milz):

Guten Tag, Ich freue mich, dass ich heute die Möglichkeit hab, mal viele Ärzte auf einmal zu sprechen.
   
Es ist derzeit so, dass ich, nachdem das Gesetz in Kraft getreten ist, die Patienten, ich hatte etwa 100 Patienten, die ich zu einer Ausnahmegenehmigung geführt habe. Sehr viele, die kurz davor waren, die dann aber vertröstet wurden. Es hieß dann, wenn das Gesetz in Kraft tritt, dann werde es einfacher, man bräuchte dann keine Genehmigung mehr.

   
Jetzt bin ich in der Situation, dass diese Patienten weit entfernt davon sind, leichter in diese Behandlung rein zu kommen. Wir finden keine behandelnden Ärzte und dann ist es jetzt ein bisschen meine Aufgabe geworden, zu erklären, warum ich das einsetze bei den Patienten, und wenn Herr Dr. med. Knud Gastmeier sagt, die Anästhesie hat die rote Karte, was THC (Tetrahydrocannabinol) angeht oder Cannabis, kann ich nur sagen, die kann ich noch toppen mit meiner Psychiatrie.

   
Da sind genügend Erkrankungen, wo jeder die Hände hochhält und sagt: „Die behandle ich nicht.“ Und ich habe eigentlich in der Zeit der Ausnahmegenehmigungen versucht herauszufinden, welchen Patienten hilft es und warum hilft es ihnen bzw. warum nutzen wir es weiterhin, obwohl sie so massive Gefahren eingehen, also nicht gesundheitliche, sondern wirklich soziale.
   
Also, die meisten Patienten sind komplett sozial isoliert und verschuldet aufgrund ihrer Medikation. Denen habe ich dann versucht nachzuvollziehen: Warum begeben die sich eigentlich in dieser Situation? Muss ja ein sehr hoher Leidensdruck sein.
    
Zum Einsatz bei Jugendlichen. Es ist für mich, als ich das eingesetzt habe, erstmalig, war die Frage: Warum kann man es eigentlich gutheißen, wenn man sagt, es ist ein Medikament?

   
Warum kann man es da nicht Jugendlichen geben oder warum gerade bei ADHS? Was würde dagegen sprechen, dass denen auch zu geben?

   
Ich bin nun auch in der Erwachsenen-Psychiatrie und denke schon, dass man sich sehr gut anschauen muss, welcher Jugendliche es konsumiert, aber diese Aussage, die kann ich so eigentlich unterschreiben: Es ist auch da so, dass die Jugendlichen mehr versuchen, eine Medikation zu finden, die ihnen hilft, und viele kommen über das Cannabis. Es gibt viele, die den Alkohol nutzen oder auch Opiate oder andere illegale Substanzen.
   
Und dadurch ist mir klar geworden, warum sind eigentlich diese Patienten. Später sagen die, sie erklären: „Wir kommen mit Cannabis im Leben zurecht.“
   
In dem Moment, wo sie angefangen haben, Cannabis zu konsumieren, haben sie zum ersten Mal in der Schule einen Erfolg gehabt, haben ihre Ausbildung durchführen können. Das klang alles so ein bisschen absurd.
   
Ich möchte jetzt anhand dieser Erkrankung Ihnen so ein bisschen darlegen, wie die Einsatzgebiete sind bzw. wie ich versuche, den Patienten das überhaupt zu applizieren (verabreichen). Weil das ist so die große Frage. Wir haben jetzt ein Gesetz, sie können jetzt Cannabis-Blüten einsetzen, und was mach ich jetzt damit, wenn ich Patienten habe, die noch keine Erfahrung haben? Einfacher ist ja, die kommen zu mir und sagen: „Ich möchte das legal nutzen können. Schreiben Sie mir ein Rezept aus.“ Sie können dann meistens auch schon Hinweise auf die Sorten geben.
   
Weil das ist nämlich die nächste Frage: Ich darf sie verordnen, aber was schreib ich denn auf dieses Rezept rauf? Gibt es da Unterschiede, was die Sorten angeht, oder woran kann ich mich orientieren und was mache ich eigentlich mit denen, die noch gar keine Erfahrungen haben? Sie sagen, ich hab jetzt gelesen, es hilft. Was mach ich jetzt?
   
Ein typisches Anorexia-Nervosa (Magersucht) kann man sich so ein bisschen erklären. Mit der Appetit-Steigerung ist mir ein relativ typisches THC-orientiertes Krankheitsbild, also für mich ist es so ein bisschen wie die Maßgabe, wenn ich etwas Aktivierendes, wenn ich etwa einen depressiven Patienten habe. Dann denke ich meistens eher in die THC-Richtung. Wenn ich eine sehr starke Angst-Problematik habe, dann werde ich immer eher in die CBD-Richtung denken. Nicht ausschließlich, auch da muss ich sagen, denke ich, dass die Natur sich dabei etwas gedacht hat, diese Inhaltsstoffe in eine Pflanze zu packen.
   
Ich kann mir nicht vorstellen, dass es das Gleiche sein kann, wenn ich die THC extrahiere. Es gibt ein Beispiel, ich sag immer die Tomatensuppe. Lycopin wirkt antidepressiv, aber sie kriegen keine Lycopin-Tabletten, sondern sie essen die Tomatensuppe oder sie essen, was lecker nach Tomate schmeckt, weil eben auch ein Zusatz-Effekt.
   
So ähnlich stelle ich mir das auch vor, dass das in der Cannabis-Pflanze der Fall ist, dass es also diese einzelnen Inhaltsstoffe untereinander interagieren, es gibt diesen beschriebenen Entourage-Effekt (Mechanismus, durch den Cannabis-Verbindungen synergistisch wirken). Dann wird es ganz abenteuerlich. Deswegen möchte ich Ihnen eigentlich nur nahelegen, es gibt, das ist noch mal wichtig, dass man diese Differenzierung zwischen THC (Tetrahydrocannabinol) und CBD (Cannabidiol) macht, weil das ist das im Moment, wo man sich entlang hangeln kann.
   
Sie können noch nicht erklären, welche Terpene was machen. Das ist ein wirklich unglaubliches Spektrum, was da noch erforscht werden muss.
   
Ein Gedanke hierzu ist auch noch immer, wenn es darum geht, dass man die Evidenz, die Wirksamkeit nicht belegen kann. Da sage ich immer: „Ja, wie ist es denn mit den Nebenwirkungen?“
   
Da sagen immer alle, wir wissen genau, was es macht. Ja, es macht traurig, es macht Psychosen, es macht ganz schlimme Dinge. Das ist aber auch keine EBM-(Einheitlicher Bewertungsmaßstab)-Erkenntnis, sondern das ist anekdotisch, das ist gesammelt. Wir haben hier ein ganz breiten Schwarzmarkt und hier und da gibt es Psychosen. Das waren Kiffer, das ist also dadurch ausgelöst.
   
Ich bezweifle wirklich ernsthaft, dass es möglich ist, mit einer Sorte die einen ganz geringen THC-Gehalt hat, einen Patienten, der nicht vorbelastet ist – das ist ja auch immer noch die Geschichte –, hat jemand Psychische-Schizophrene, ist eine sehr häufige Erkrankung, die auch jetzt nicht dadurch ausgelöst wird, sondern es besteht eine Vorerkrankung, wo das THC dann natürlich mit dem psychotropen Effekt dazu führen kann, dass eine solche Psychose ausgelöst wird.

   
Ich habe eine Patientin, die eine schizoaffektive Erkrankung hat. Ich hatte einen Patienten mit einer Schizophrenie, der zu mir kam und sagte: „Ich nutze Cannabis und seitdem war ich nicht mehr in der Klinik, seitdem habe ich keine Psychose mehr gehabt.“ Und das ist natürlich ein Psychiater nicht glaubhaft, also ich konnte mir das nicht vorstellen, dass es so sein konnte. Und wir haben uns zusammen mehrere Monate angeschaut, was denn alles bei ihm vorliegt. Und es stellte sich heraus, dass er unter einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) leidet. Das ist sehr häufig bei Schizophrenie-Erkrankten so. Meistens ist es so, dass im Verlauf der Behandlung irgendetwas Traumatisierendes erleben. Einige haben das auch schon vorher mitgebracht. Jedenfalls war es so, dass dieser Patient aufgrund von 2–3 Inhalationen in der Woche THC stabil, anti-depressiv/anti-Stress gehalten hat und dann dadurch einfach keine Exazerbation (Verschlimmerung einer Krankheit) mehr aufgetreten sind. Also, er hat sich über das THC stabilisiert.
   
Ganz wichtige Geschichte, also ich hätte ihn nicht unterstützt. Trotz allem hätte ich Probleme gehabt mit einer THC-Sorte oder mit dem THC bei einem schizophrenen Patienten. Wenn ich dann nicht auf diese Studie, die auch irgendwie untergegangen ist, vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim von Prof. Dr. F. Markus Leweke. Der hat Amisulprid, ein Antipsychotikum, mittel-potentes (800 Milligramm), gegen 800 Milligramm Cannabidiol (CBD) getestet und hatte eine ähnliche anti-psychotische Wirksamkeit. Das ist ein gut gehütetes Geheimnis der Cannabis-Gegner, würde ich sagen. Das ist für mich nicht nachvollziehbar gewesen.
   
Wie kann Cannabidiol genau das Gleiche machen wie ein Antipsychotikum? Was sich daraus für mich aber erschlossen hat, war, dass vielleicht ein Patient mit einer psychotischen Neigung von einer Sorte, die ein hohes CBD hat, profitieren könnte, aber trotzdem auch ein kleinen THC-Anteil hat, um die Stimmung zu stabilisieren. Weil, das muss man auch sagen, CBD hat bei Dauerbehandlung als Mono-Therapeutikum etwas Antriebshemmendes. Es gibt einige Patienten, die können das gut nutzen für eine Weile, um einzuschlafen. Die sagen aber irgendwann: „Ich hab morgens das Gefühl, ich komme nicht mehr so wirklich richtig aus dem Quark.“ Das ist nicht so ein Überhang, sondern es ist eher so eine Antriebshemmung, die damit verbunden ist, die vielleicht durch das THC eingegrenzt werden kann, oder vielleicht hebt es sich dadurch auf, und diese schizoaffektive Patientin, die wird jetzt seit Januar mit einer Sorte behandelt, die maßgeblich Cannabidiol (CBD) enthält, unter einem Prozent THC (Tetrahydrocannabinol) und ist seitdem komplett stabil. Das sind Dinge, die sind ja sehr befriedigend als Arzt. Also, ich kenne wenige Präparate, die ich mit so einer, die ich einsetze und wo ich so viel positive Rückmeldungen bekomme.
   
Psychopharmaka haben häufige Nebenwirkungen. Und das ist für viele Patienten, die das zum ersten Mal nutzen, wie so ein Aha-Erlebnis, dass sie sagen: „Ich habe diese positiven Effekte, habe aber nicht diese negativen.“ Das hört sich dann immer so an wie Wundermittel und ich weiß, es sind Vorbehalte, die dann aufkommen, wenn man sagt: „Das ist ein tolles Präparat, super Wirkung, keine Nebenwirkung.“ Glaube ich auch nicht. Alles, was wirkt, hat Nebenwirkungen.
   
Nur manchmal, und ich glaube, beim Cannabis ist es sehr häufig der Fall, ist die Nebenwirkung genau das, was wir brauchen, oder das, was wir nutzen wollen für den Patienten. Also eine gewisse Sedierung (Dämpfung von Funktionen des zentralen Nervensystems durch Mittel zur Beruhigung) oder eine gewisse Homöostase (Gleichgewichtszustand eines offenen dynamischen Systems) in dieses System reinzubringen, ist ja was ganz Wichtiges und insofern denke ich, dass das manchmal Nebenwirkungen sind, die man wirklich nutzen, manchmal ist es eben die Wirkung.
   
Zum Endocannabinoid-System oder zu Endocannabinoid-Mangel möchte ich Ihnen noch etwas mitteilen, was mir so aufgefallen ist: Es gibt immer wieder Patienten, ich habe sie immer nach dem Erstkonsum gefragt. Das war für mich immer spannend. Wann haben sie das erste Mal konsumiert und wie war ihre Erfahrung? Und es gibt einen relativ hohen Anteil von Patienten aus diesem Spektrum dieses Endocannabinoid-Mangels für Fibromyalgie, zum Beispiel Schmerzsyndrome, ADHS scheint er zu sein, Reizdarmsyndrom. Die sagen fast alle: „Nach meinem ersten Konsum habe ich überhaupt nichts gemerkt – ja, ich musste das mir wirklich antrainieren – ich habe da zwei, drei Mal – ich habe irgendwie gemerkt – scheint schon eine spannende Substanz zu sein – aber ich habe nichts gemerkt – ich wusste nicht, wo kommt denn dieser ganze Hype her?“ Und das sind ganz häufig die Patienten, die später es wieder versuchen, mit einem ganz anderen Aspekt. Also nicht dieses Jugendliche: „Ich probier es mal aus“, sondern wirklich sagen: „Ich habe hier ein Symptom – ich habe gegoogelt – ich habe gelesen, Cannabis hilft – ich probiere es aus“, es dann ganz differenziert ausprobieren und dann sagen: „Ja, ich hab dann nach einer Weile gemerkt, dass es mir guttut“, aber es scheint so zu sein, als müsse man dieses Defizit bekommen, und es ist ja auch so THC wird im Körper gespeichert, es ist sehr das Profil, das ist der Horror für jeden Freizeit-Konsumenten, er sagte: „Die ziehen mich drei Wochen später raus und lassen mich da Urin abgeben – und schon bin ich meinen Lappen los.“ Man kann nicht so ganz verstehen, warum speichert der Körper das eigentlich so lange.
   
Es gibt so verschiedene Überlegungen, die ich dazu angestellt habe, ist dass es einfach auch für schlechte Zeiten aufbewahrt, denn ist so wie als speicher ist und wenn es eine Baustelle gibt, die zu bearbeiten ist, dann wird das THC freigegeben. Kann ein bisschen auch damit zusammenhängen, dass die Patienten, die das man, das schon auch eine Korrelation sieht, wie viel THC jemand braucht, der sehr starke Schmerzen hat. Es ist nicht wirklich korreliert, nicht wirklich, dass man sagen kann, eine starke Symptomatik hat immer einen sehr hohen Dosis-Bedarf. Das ist auch noch mal von der Reaktion ganz unterschiedlich, aber es ist schon, es scheint so zu sein, dass es einen gewissen Spiegel an THC dem Körper geben muss, damit die Wirkung erstmalig auch in Erscheinung tritt.
   
Entwöhnung von Substitutionsmedikamenten, möchte ich kurz was zu sagen: Das ist was – in Berlin ist es relativ häufig, dass Patienten in der Substitution zu mir kommen und sagen: „Cannabis wird vom substituierenden Arzt toleriert, das ist/wird auch nicht mal als Freizeitkonsum festgehalten, das ist vollkommen in Ordnung, ich möchte das jetzt gerne nutzen, weil ich damit von meinem Substitut runterkommen will.“ Es ist wirklich so, dass (die) der Entzug von Methadon und Polamidon wesentlich schlimmer ist als (die) von Heroin an sich. Insofern bleiben die Patienten offenbar lange Jahre in dieser Substitutionsbehandlung. Und sie schaffen es aber, über Cannabis aus ihrer Substitution raus zu kommen.
   
Das ist jetzt 2–3 meiner Patienten, die es geschafft haben. Einige bleiben noch auf so einer kleinen Dosis hängen. Wobei ich sagen muss, das ist für mich immer noch akzeptabel, weil es ist für sie eine unheimliche Erleichterung in den legalen Rahmen Cannabis jetzt auch als Medikament nutzen zu können. Und häufig muss man auch sagen, wenn die Substitution-Medikation raus ist, stellt sich der Patient auch nochmal erst mal da, dass man weiß, was hatte der eigentlich. Weil häufig ist doch Drogenkonsum eigentlich eine Selbst-Medikation, die dann schief läuft und die dann in Eigendynamik entwickelt, und ursprünglich ging es doch darum, mal irgendwelche Symptome zu bekämpfen.
   
Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS), möchte ich noch kurz zu sagen, da ist es auch ganz unterschiedlich, welches Cannabinoid das ist, was funktioniert. Ich hatte jetzt einen Patienten aus den Staaten, der Veteran/Kriegsveteran war und dort auch als Kalifornier eine Lizenz hatte, um Cannabis sich also dazu einzukaufen, und der hatte eine Sorte die 20 Prozent CBD enthielt. Was noch mal auf diese stark angst-reduzierende Wirkung hinweist und dieser Patient war recht jung und 40 Jahre alt und war überhaupt nicht mehr belastbar. Psychophysisch ein Wrack, ein psychisches Wrack, und er sagt, er hätte durch dieses Cannabis wieder sein Leben wiederbekommen. Hat jetzt geheiratet, hat ein Kind, kümmert sich jetzt um dieses Kind. Versucht jetzt wieder, eine Arbeitsstelle zu finden. Also hat dadurch wirklich eine ganz dramatische Verbesserung seiner Lebensqualität.
   
Andere Patienten, die eine sehr furchtbare Biografie hat, das im Übrigen auch so, das kann ich so sagen, das sind die schlimmsten Biografien, die man hat von Patienten, von Cannabis-Patienten, die sich jahrelang versteckt haben. Die hatte, die profitierte von THC. Also die hatte, musste ein bisschen ausprobieren und hat dann der THC, eine sehr hochprozentige THC-Sorte gefunden, die ihr hilft, die Ruhe zu finden abends, um auch mal ein paar Stunden zu schlafen.
   
Könnte jetzt wahrscheinlich noch ganz viele Patienten-Geschichten erzählen. Was ich eigentlich auch ein bisschen mitteilen möchte, ist, dass Cannabis auch wieder ein Medikament ist, was erforderlich macht, dass man mit dem Patienten redet. Es ist wirklich nicht zu bewerkstelligen, eine Behandlung durchzuführen, ohne Rückmeldung zu bekommen und auch ohne diese ernst zu nehmen.
   
Es ist ja häufig so, dass der Arzt sagt, wenn er das nicht einordnen kann, dass er sagt: „Es kann [es] sein - das kann nicht sein, dass sie das haben, diese Nebenwirkung", das ist beim Cannabis anders. Ich höre immer sehr genau hin, weil diese Nebenwirkungen ist manchmal auch das, was ich bei einem anderen Patienten gebrauchen kann. Also, es ist wirklich sehr, sehr viel Lernarbeit. Die Patienten sind da, aber die erwarten ja nicht, dass man sich da jetzt mit auskennt. Wie soll das passiert sein?

Es gab keine Ärzte die es verordnen. Jetzt wird das Gesetz da und plötzlich kennen sich alle aus – kann ja nicht sein. Insofern sind die auch, die möchten eigentlich nur, dass sie ernst genommen werden und dass man ihnen glaubt, dass sie das als Medikament nutzen und nicht irgend eine Randgruppe sind, die sich jetzt legal Zugang verschaffen will. Also das ernst nehmen, das Zuhören, der Dialog, die Interaktion mit dem Patienten, das ist was ganz, ganz Wichtiges in der Cannabis-Medizin. Ich glaube auch, dass das [ist] problematisch ist, weil man eben für die Zeit nicht honoriert wird und dass die Kassenärzte/Vertragsärzte einfach wirklich sehr, sehr wenig Zeit haben, sich mit diesen Patienten auseinander zu setzen.
   
Ich habe das im privat-ärztlichen Rahmen so gemacht, das ich mich eine Stunde mit ihnen zusammengesetzt habe, eine wirkliche Anamnese, und dann kann man auch schon relativ gut erfassen, was kann jemandem helfen.
   
Möchte sie dazu ermutigen, es einzusetzen, weil die Gefahr, die Gefährlichkeit dieser Substanz, ist nicht so, wie das bei vielen anderen Präparaten da ist.
   
Also, ich habe viele Medikamente, möchte jetzt nur eins nennen: Lithium, was zum Beispiel ja auch stabilisierend wirkt, Anti-suizidal wirkt, das hat eine geringe therapeutische Breite. Da muss ich dem Patienten ständig Blut abnehmen, muss ihn darüber aufklären, wie das ist mit Trinken und Schwitzen und so weiter. All diese Probleme, die hab ich beim Cannabis nicht!
   
Wenn ich jetzt sage, die Hauptgefahr ist jetzt die Psychose, wenn ich das jetzt noch mal rausnehme, weil ich eine CBD-Sorte einsetze, eine starke, habe ich das noch mal weg. Wenn ich dann sage, die Abhängigkeit ist gefährlich, die ist auch nichts, was man nicht überkommen (bewältigen) könnte nach wenigen Tagen, also wenn sie mal meinen Patienten gesprochen haben, der ein Opiat-Entzug hinter sich hat, der sagt: „Cannabis ist ein Kinderteller, das ist mir vollkommen wurscht.“ Also, das sind wirklich alles so, also Aspekte.
   
Ich möchte sie in erster Linie ermutigen: Haben Sie keine Angst davor, es gibt ganz, ganz viele andere Dinge, die viel schlimmere Sachen machen, und der Missbrauch oder die Patienten, die jetzt wirklich die Bösen sind … und oder das sind ja keine Patienten, also die Benutzer, die jetzt legal werden wollen. Das, glaube ich, ist nicht die Mehrheit, die jetzt im Moment in ihre Praxen kommt und darum bittet, Hilfe zu bekommen. Insofern würde ich erst mal davon ausgehen: Hören Sie Ihren Patienten zu, versuchen Sie, ihm zu helfen, und versuchen Sie, ihn ernst zu nehmen, indem das er als Not ausdrückt, weil es häufig sehr, sehr häufig auch eine soziale Not, weil die Patienten sind alle verfolgt.
   
Danke!
   
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Verweise: Mitwirkende Beihilfe:

Erstellt am 12.07.2019,
Zuletzt bearbeitet am: 31.07.2020,
Grammatik/Absatzstruktur-Korrektur: 11. Sep. 2026, 17. Sep. 2026 (Teil 3).
Geplant: KI-Zusammenfassung anhängen.

Stichworte: Cannabis, Hanf, Medikament, Medizin, psychedelisch, Psychiatrie, psychische Risiken, Psychose, Psyche, Schizophrenie.

🌿:Natürliches Cannabis - Psychische Aspekte (Risiken)

Index:




Hochwirksames Cannabis und Vorfall bedingte Psychosen - Korrektur der Kausalannahme

High-potency cannabis and incident psychosis: correcting the causal assumption | The Lancet

Überarbeitete übersetzung (Transliteration) vom Ursprungsartikel:
  
Hochwirksames Cannabis und Vorfall bedingte Psychosen - Korrektur der Kausal-Annahme:
  
Marta Di Forti und Kollegen [1] behaupten, dass die Häufigkeit des Cannabis Konsums und die Cannabis-Potenz für erhebliche Schwankungen der Häufigkeit psychotischer Störungen verantwortlich sind. Die Autoren gehen davon aus, dass Cannabis Psychosen oder psychotische Symptome verursacht, ohne zwingende alternative Hypothesen anzuerkennen. [2]
  
Die meisten Berichte, in denen Zusammenhänge zwischen Cannabis und Psychose untersucht wurden, konnten sich nicht auf Verwechslungen einstellen, die sich aus korrelierten genetischen und ökologischen individuellen Unterschieden ergeben. Diese Überwachung umfasst das häufige Weglassen geeigneter Methoden zur Lösung der Kausalität (z. B. zufällige Zuordnung zu Fall- und Kontrollbedingungen, nicht übereinstimmende Zwillingspaare, Angleichung der Neigungswerte oder kürzlich fortgeschrittene Genom basierte Methoden mit eingeschränkter Maximal Wahrscheinlichkeit).
   
Eigene und andere Ergebnisse zeigen, dass der Cannabis Konsum bei Personen mit einer genetischen Neigung, die diese Personen für den Cannabis Konsum und die Entwicklung von Psychosen oder psychotischen Störungen prädisponiert, möglicherweise höher ist.

Giordano und Kollegen [3] Korrelative Fall-Kontroll-Design, das Daten für Monozygote Zwillingspaare extrapolierte, berichtete, dass ein großer Teil des Zusammenhangs zwischen Cannabis Missbrauch und Schizophrenie nicht kausal war, sondern durch gemeinsame familiäre Faktoren verwechselt wurde. Trotz eines Anstiegs der Prävalenz des Cannabis Konsums über einen Zeitraum von 30 Jahren in Australien haben Degenhardt und Kollegen [4] keine Hinweise auf eine nennenswerte Zunahme der Schizophrenie gefunden.
 
Basierend auf unserer kürzlich durchgeführten Metaanalyse der bislang größten Genom weiten Assoziationsstudie zum lebenslangen Cannabis Konsum (n = 184 765) haben wir eine Genom weite genetische Korrelation von 0.25 (SE 0.03, p Kleiner 0.0001) mit Schizophrenie Risiko, was darauf hinweist, dass genetische Risikofaktoren für Cannabis Konsum und Schizophrenie positiv korrelieren. [5].
  
Diese Korrelation könnte durch pleiotrope, kausale oder umgekehrte kausale Mechanismen erklärt werden. Mendelsche Randomisierung ist ein Ansatz, der genetische Varianten verwendet, die mit einer veränderbaren Exposition verbunden sind, um den Kausal-Zusammenhang zwischen Variablen abzuschätzen. In unserer Metaanalyse verwendeten wir eine Bidirektionale Mendelsche Randomisierung und fanden ein konsistentes Evidenz Muster, das einen kausalen Effekt des Schizophrenie Risikos auf den lebenslangen Cannabis Konsum belegt. [5]
 
Im Gegensatz dazu fanden wir kaum Hinweise auf einen kausalen Effekt des Cannabis Konsums auf das Schizophrenie Risiko. Wir haben die geringere Stärke der instrumentellen Variablen für den lebenslangen Cannabis Konsum anerkannt, [5] und unsere Analysen basierten nicht auf der Häufigkeit oder Potenz des Cannabis Konsums. Dennoch legen unsere Ergebnisse den Schluss nahe, dass die Assoziationen zwischen Cannabis Konsum und Psychose oder psychotischen Störungen weitaus differenzierter sind als von Di Forti und Kollegen angenommen. Zusätzlich zu den korrelierten genetischen Verbindlichkeiten können indirekte und bidirektionale Prozesse die Assoziationen zwischen Cannabis Konsum, Missbrauch und psychotischen Störungen beeinflussen. Indem die alternativen, zwingenden und plausiblen Mechanismen nicht anerkannt werden. [3]
  
Die Schlussfolgerung von Di Forti und Kollegen bezüglich der schädlichen Auswirkungen des hochwirksamen Cannabis Konsums auf die psychische Gesundheit wird wahrscheinlich überschätzt.


Schizophrenie und Psychosen - Marihuana-Schizophrenie-Psychose Verband 

Schizophrenia and Psychoses - Marijuana Schizophrenia Psychosis association | Psychiatryadvisor

Überarbeitete übersetzung (Transliteration) vom Ursprungsartikel:
  
   Keine Hinweise auf Unterstützung von Cannabis bezogener Schizophrenie:
 
Die Psychiatrie-Berater beschreiben:
Ein Forscher für Gehirn und psychische Gesundheit argumentiert nachdrücklich, dass es keinen Zusammenhang zwischen Cannabis Konsum und der Entwicklung von Schizophrenie gibt.
 
Matthew Hill, PhD des Hotchkiss Brain Institute der Universität von Calgary (Kanada), schreibt in Nature, dass es keine konkreten Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen Cannabis und Schizophrenie gibt. Wie er betont, hat die Inzidenz (Epidemiologie) von Schizophrenie seit den 1960er Jahren nicht zugenommen, als der Marihuanakonsum in den USA und in Europa populär wurde. Darüber hinaus weisen Länder, in denen ein großer Teil der Bevölkerung Cannabis konsumiert, keine höheren Schizophreniequoten auf.
 
Hill räumt jedoch ein, dass Marihuana-Konsum Schizophrenie früher bei jenen hervorrufen könnte, die für die Erkrankung prädisponiert sind.
 
Eine der ersten Studien, die auf einen Zusammenhang zwischen Marihuana und Schizophrenie hinwiesen, wurde 1987 in Schweden veröffentlicht. Es stellte sich heraus, dass Soldaten der Armee, die Cannabis konsumierten, häufiger an Schizophrenie erkrankten. Hill weist jedoch darauf hin, dass die Studie ergab, dass hohe Dosen von THC, dem Wirkstoff, eine akute Psychose verursachen können, die dann verschwindet.

 
Hier muss davon ausgegangen werden das die Situation, also die Soldaten unter Psychischen Druck gestanden haben könnten weil sie zum Zeitpunkt des Auftritts der Psychosen wahrscheinlich in Kriegerischen Handlungen involviert waren. Denn das Töten von Lebewesen kann auf jeden Fall erhebliche Psychische Konsequenzen mit sich tragen und somit bestehender Psychischer Druck eine Psychose durch den Cannabis Konsum verstärkt getriggert hat. [Yo24hua].
 
Das Feld der Psychedelisch expandierenden (Bewusstseins erweiternden) Eigenschaften von Cannabis muss hier auch näher betrachtet werden. Denn es wird beschrieben das Cannabis allgemein auch Emotionen, wie Euphorie (z.B. Heiterkeit), für ein bestimmtes Zeitraster Fokussieren (Bündeln) kann. So kann den auch ein negativ bewertetes Erlebnis möglicherweise durch Cannabis Konsum verstärkt Fokussiert (gebündelt) werden, sprich ein Tötungsakt der Soldaten kann das Erlebnis unter Einfluss von Cannabis wahrscheinlicher verstärkt Geistig-Psychisch triggern. [Yo24hua].
  
Personen bei denen eine sehr nahe liegender geliebter Mensch verstorben ist, wird empfohlen kein Cannabis mit Hohen THC Gehalt zu Konsumieren um auf diese weise Trost zu finden. Solch eine Depressive Phase kann (nicht muss) unter Umständen durch Cannabis Konsum auch ungünstig gesteigert ("Verstärkt") werden. [Yo24hua].
 
Viele haben fälschlicherweise geglaubt, die Psychose sei von Dauer. Und keine anderen Studien sind zu diesem Ergebnis gekommen.
  
Eine aktuelle Studie der Harvard University ergab auch keinen Zusammenhang zwischen Cannabiskonsum und Schizophrenie. 
  
Matthew Hill vom Hotchkiss Brain Institute der Universität von Calgary hat in der Zeitschrift Nature einen Perspektivartikel veröffentlicht, in dem er seine Besorgnis über andere Wissenschaftler und Journalisten zum Ausdruck bringt, die vermuten, dass Cannabiskonsum Schizophrenie verursacht. Er weist darauf hin, dass es kaum Anhaltspunkte für einen solchen Zusammenhang gibt, und schlägt vor, dass tatsächlich Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass Cannabiskonsum keine psychische Störung verursacht.
  
Cannabiskonsum war in den letzten Jahren in den Nachrichten sehr verbreitet, insbesondere in den USA, wo es in einigen Staaten legal war, Marihuana zu rauchen - der gebräuchliche Name für Cannabis. Da es sich jedoch um ein "Hot-Button"-Thema handelt, haben einige, insbesondere diejenigen, die dagegen sind, nach Gründen gesucht, um die Bewegung zu stoppen - und eines dieser Argumente ist, dass es Schizophrenie verursacht. Das Problem dabei ist, wie Hill bemerkt, dass niemand jemals bewiesen hat, dass es wahr ist.
 
 



Substanzinduzierte Psychose - Cannabinoide | Wikipedia:

 
In wie weit Cannabinoide Psychosen auslösen können, ist abschließend nicht geklärt, ein ursächlicher Zusammenhang ist bislang noch nicht gefunden worden. Es blieb bislang unklar, ob Cannabinoide hier als alleiniger Faktor oder in Kombination mit anderen Faktoren (Alkohol, Vorerkrankungen) als Auslöser in Betracht kommt. Als möglicher neurobiologischer Mechanismus wurde eine durch Cannabinoide verursachte Störung dopaminerger Systeme diskutiert.
  
Untersuchungen über einen möglichen Zusammenhang zwischen dem COMT-Genotyp und der Wahrscheinlichkeit einer Psychose entwicklung bei Cannabis-Konsumenten ergaben bislang (Stand 2018) uneinheitliche Ergebnisse und ein äußerst komplexes Bild. Cannabis wird möglicherweise auch aufgrund der anti-psychotischen Wirkung des Cannabidiols (CBD) im Rahmen einer Selbstmedikation konsumiert, mehrere Studien deuten auf ein heilsames Potential von Cannabidiol bei Schizophrenie hin.
  
Die Weltgesundheitsorganisation hält in ihrem Review von 2018 (Cannabis and cannabis-resin) fest:
„Die überwiegende Mehrheit der Menschen, die Cannabis konsumieren, wird nie eine psychotische Störung entwickeln, und diejenigen, die dies tun, werden wahrscheinlich eine genetische Anfälligkeit für eine durch Cannabis induzierte Psychose haben.“
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Quellen:



    Erstellt am: 11.07.2019
    Zuletzt bearbeitet am: 30.07.2020